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Sonntag, 20. März 2011

Hallo Miteinander


Mittlerweile sind es dreizehn Kinder im Heim. Ich berichte euch wie ein normaler Tag meines Lebens aussieht.

Spätestens um sechs Uhr in der Früh stehe ich auf und nütze die Stille, um mir einen Input im Internet anzuhören. Nach den täglichen Pflichten, der persönlichen Reinigung und dem Morgenessen, begebe ich mich auf den zweiminütigen Arbeitsweg Richtung casa RafaEL.

Um sieben Uhr, mittlerweile fast immer pünktlich, empfange ich meine drei honduranischen Mitarbeiter. Die erste halbe Stunde des Tages lernen wir spielen und singen. Inzwischen beherrschen sie UNO mit Spezialregeln und spielen es auch fleissig mit den Kindern. Ich habe mir fest vorgenommen, ihnen auch noch andere Spiele beizubringen. Die meisten Honduraner kennen das nicht und ich finde es sehr wichtig für die Kinder, dass sie eine Betreuung haben, die sich mit ihnen abgibt und das geht oft über ein Spiel am einfachsten.


Von halb acht bis acht widmen wir uns der Bibel. Im Moment beschäftigen wir uns mit dem wichtigsten Gebot (Lukas 10,25-28). Wir suchen nach Ideen, wie wir die Kinder zum Nachdenken bringen können, was dieses Gebot beinhaltet. Was ist Liebe? Was will Gott? Reden wir nur von Gottes Willen oder handeln mir auch danach? Wie zeigt sich Nächstenliebe in diesem Heim? Ich stellte fest, das in Honduras offen kommuniziert wird über den Glauben und das eine starke Verbindung zwischen den Kulturen ist. Es ist auch eine gute Möglichkeit den Kinder die Bibel näher zu bringen.
Um acht Uhr stossen zwei 15jährige RafaEL-Jungs zu uns, die am Nachmittag Schule haben und am Morgen mit uns Sport machen. Honduraner sind Fussball-verrückt. Es ist eine weitere Herausforderung für mich, den Kindern die Wichtigkeit von Einlaufen, Ballschulung und Übungen beizubringen. „Spielen, spielen“ tönt es von allen Seiten.
Nach einer Stunde Sport mit Kraftübungen haben wir uns ein Café verdient. Dann heisst es raus aus den Sport- und rein in die Arbeitskleider. Neben den täglichen Arbeiten wie Laubrechen, Wischen, Abfall verbrennen, Gras schneiden, Kaffe schällen, haben wir auch Reperations- und Maurerarbeiten zu erledigen. Heute habe ich mit einem Kind einen Lichtschalter repariert. Wir versuchen alles zu reparieren, was wir können. Einerseits ist es das billigste und meistens auch das schnellste. Mit den zwei Jugendlichen zu arbeiten ist sehr befriedigend, denn sie haben den Willen zu arbeiten und zu lernen.

Um elf Uhr trennen sich die zwei von uns und stylen sich für die Schule. Wir begeben uns in unsere Bodega (Werkstatt) und planen den Nachmittag. Es gibt Tage, an denen ich das Gefühl habe, dass Organisation neben der Pünktlichkeit ein weiteres Fremdwort in diesem Land ist. Nebst der Planung von Arbeit und Sport für elf Kinder widmen wir uns der Buchführung (Notizen) für jedes Kind. Wir halten Auffälligkeiten fest, die wir beobachten. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir mit jedem einzelnen Kind Gespräche führen, um persönliche Ziele zu definieren und Wege aufzuzeichnen, die dahin führen. Diese Stunde dient der Organisation der Gegenwart und der Zukunft. Meine Hauptaufgabe sehe ich in der Ausbildung der Arbeitsbetreuer.



Nach der stündigen Mittagspause treffen wir uns erneut in der bodega und planen den Input. Jeden Tag ist ein Mitarbeiter verantwortlich, mit den Kinder einen Input zum wichtigsten Gebot zu halten. Danach teilen wir die Gruppe. Die Hälfte arbeitet draussen. je zwei Jungs pro Betreuer. Die andere Hälfte ist im Haus und beschäftigt sich mit Bändeli knüpfen oder macht Hausaufgaben.



Um drei Uhr werden die Gruppen gewechselt und es wiederholt sich alles. Um vier Uhr wechseln die Kinder die Kleider und begeben sich auf den Sportplatz. Fussball! Freude in allen Gesichtern!


Um Fünf Uhr endet für mich offiziell der Tag mit den Kindern, doch meistens spiele ich mit ihnen noch eine Partie und es wird fast sechs Uhr, bis ich zu Hause bin. Dort wartet meine Familie auf mich und auch Heidi, Rahel und Domink essen und wohnen bei uns.
Den Abend verbringe ich mit meiner Familie. Donald-Duck schauen, Ballspielen, Tanzen, Kinder ins Bett bringen und Zeit mit der Ehefrau sind die Teile des täglichen Abendprogramm. Im Moment kommen noch Blogeinträge schreiben und andere organisatorische Dinge dazu. Doch ich bin zuversichtlich, dass ich ein grossen Teil dieser Aufgaben baldmöglichst am Tag erledigen kann, wenn die Mitarbeiter immer selbständiger werden.
Um spätestens elf Uhr sinke ich müde und meistens zufrieden in mein Nest.

Montag, 28. Februar 2011

Levi und Bälle...

Levi ist ja so Ball fanatisch... Sogar ins Bett gehen wollte er nicht ohne. Zudem liebt er es den Ball zu passen oder zu "tschutten". Hmm, wird er mal Hand-, Basket-, oder Fussballer? Wir trainieren jedenfalls mal alles. Als guter Handballer hätte er in Honduras eine Chance auf die Nationalmannschaft (die es glaub ich noch nicht gibt...).

Montag, 14. Februar 2011

Jael im "Kinder"

Schon seit einiger Zeit möchte Jael gerne in den Kindergarten. Nach langem Warten, weil hier in Honduras grosse Ferien von November bis Anfang Februar sind, ist es am Montag, 7. Februar endlich soweit. Die Dorfschule ist wieder offen. Doch als wir um 8 Uhr ankommen werden wir heimgeschickt, zuerst muss das Zimmer geputzt und aufgeräumt werden... Aha! So gehe ich mit Jael halt in die Stadt, um ihre Schuluniform zu kaufen. Röckli, Bluse, 2 Paar Socken, Schuhe, alles für 15 Franken.

Voller Freude zieht sie am Dienstag los. Hmm, möchte ich mein kleines grosses Mädchen wirklich schon loslassen? Doch Jael ist voll überzeugt. Ich bin mächtig stolz auf sie, wie sie das macht in der ersten Stunde. Schaut mich kaum an und ist voll dabei, auch wenn sie nicht alles versteht. Es stört sie auch nicht, dass die Erstklässler nebenan lautstark ein Lied üben. Die zwei Schulzimmer sind nur durch eine halbhohe Holzwand getrennt... Vor der grossen Pause (1mal pro Vormittag 40 Minuten lang) werden eine halbe Stunde lang Zeitungspapier-Fötzeli zu Kügeli gerollt. Ich bin gespannt darauf, was daraus dann gemacht wird. Doch einfach so, damit die Fingerfertigkeit geübt werden kann. Nach der Pause ist Schreiben daran. Jael soll Kreisli machen. "No quiero", "ich will nicht" ist ihr Kommentar. Ich kann es ihr nicht verübeln, dass ihr das keinen Spass macht, ist sie doch noch nicht einmal 4jährig. Bei mir kommen erste Zweifel, ob es das Richtige ist, Jael so früh schon in den Kindergarten zu schicken, oder ob es doch eine Privatschule sein sollte. Richtig leid tut sie mir, dass es da keinen Spielecken, gross Bewegung oder Singen gibt. Aber schliesslich soll sie sich wohlfühlen und das tut sie. Mindestens Spanisch lernt sie so schnell und ist mit Gleichaltrigen zusammen.
Auch Ende Woche ist Jael begeistert und freut sich auf den Montag. Ohne weiteres bleibt sie die 3 Stunden ohne mich dort.

JAEL, ICH BIN STOLZ AUF DICH!!!

Freitag, 17. Dezember 2010

Vierwöchiger Spanischkurs beendet

Hallihallo
Vier intensive Wochen gingen soeben zu Ende. Täglich reisten Heidi und ich eine Stunden mit dem Bus von unserem Haus in das Stadtzentrum von Tegucigalpa. Nach drei Stunden Spanischunterricht mit Gloria traten wir wieder die Rückreise mit dem Bus an. Neben meiner Familie und einem Arbeiter, dem ich die Arbeit für den nächsten Tag geben musste, hatte ich das Vergnügen von bis zu drei Stunden Hausaufgaben, täglich versteht sich. Zwanzig Lektionen, Sechzig Stunden und neun verschiedene Zeitformen. Wieder einmal mehr ist mir bewusst geworden, wie wenig wir Menschen aus unserem Potenzial schöpfen. Theoretisch bin ich ein maestro en español, leider nur theoretisch, denn eine weiter Weisheit bestätigt sich: "die Theorie und die Praxis ist nicht das gleiche," doch es ist sicher ein gutes Fundament für die zukünftige Arbeit in Honduras.

Die Busfahrt: 06.10h Heidi und ich stehen an der Strasse und warten auf einen Bus. Bushaltestellen gibt es nicht. Heidi winkt und der Bus hält. Wir steigen ein, setzen uns auf einen der letzten freien Plätze. In den nächsten zehn Minuten füllt sich der Bus. Mit füllen meine ich, der 50 Zentimeter breite Gang wird beidseitig mit stehenden Passagieren besetzt. Die Leute werden aufgefordert aufzuschliesen. Der "Kondikteur" kassiert die 50 Rappen für die stündige Fahrt ein. Alles geschieht ohne Worte, alle Fahrgäste haben die acht Lempira in der Hand. Heute zähle ich 100 Personen. Ich klopfte ans Dach, das heisst soviel wie, ich will aussteigen. "Erlauben Sie, erlauben Sie", ufff endlich draussen....

MMmm einen Kaffee für Heidi und eine feine Ovomaltine für mich im Dunkin Donuts. Wie schön sind doch tägliche Gewohnheiten. Die Abuela und der junge Mann verkaufen täglich ihre Gebäcke am selben Ort und kennen mich bereits. jeden Tag kaufe ich bei ihnen drei Backwaren für drei Lempira, 20Rappen. Viele gekaufte Gebäcke später kommen wir in das erste Gespräch, leider ist schon bald der letzte Schultag und eine vierwöchige Gewohnheit findet ihr Ende.


Nach einem kurzem Spaziergang treffen wir in unserer Garage ein. Fünf Tage in der Woche von acht bis elf Uhr büffeln wir. Gloria, eine Frau in den besten Jahren unterrichtet uns mit der nötigen Härte, die ich brauche. In den Pausen besteht die Möglichkeit mit dem Hausherrn Don Oskar, der Professora Aurora und der Haushaltshilfe Iris die Theorie praktisch zu testen.

Um elf Uhr machen wir uns dann auf den Heimweg. Die Temperatur ist bis auf dreissig Grad gestiegen und wir kommen ins Schwitzen im Bus. Zum Glück kommt immer wieder ein Verkäufer in den Bus. Wasser, Antibiotika, Früchte, Zahnbürsten und Chips ist eine kleine Auswahl von dem, was einem alles angepriesen wird.

Müde treffen wir zwischen 14 und 15 Uhr im trauten Heim ein. Ein Kontrollgang im Kinderheim und eine kurze Anleitung an die Arbeiter, was am nächsten Tag erledigt werden muss.

Heute gelingt es mir, Levi zum schlafen zu bringen. Nach einer Stunde Siesta ist schon bald Zeit für das Nachtessen. Es ist ist ja schliesslich schon sechs Uhr und dunkel.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Kinder ins Bett bringen und noch zwei bis drei Stunden Aufgaben. Müde und zufrieden gehe ich ins Bett.

Ich bin froh und dankbar für die letzten vier Wochen. Mir ist bewusst was für ein Privileg ich habe, hier zu sein und zu lernen.

Wir melden uns jetzt für einige Tage Meer ab.

Bis bald
Totti